Diversity als Chance: Das Kirschmodell zeigt wie Vielfalt verbinden kann

Wenn fremde Menschen aufeinandertreffen – besonders, wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen kommen – ist die nonverbale Kommunikation, sind Blicke, Mimik und Körpersprache von großer Bedeutung. Wir erleben das immer wieder im Urlaub: Man lernt einen Menschen aus einer fremden Kultur kennen, und obwohl man die Sprache des anderen gar nicht richtig versteht, läuft das Miteinander von Anfang an prima. Man fühlt sich vom anderen verstanden, wertgeschätzt und man vertraut sich gegenseitig.

Wie funktioniert das? Es funktioniert, weil in diesem Moment unser Fokus auf das Individuum gerichtet ist und nicht auf das System, aus dem es kommt. Es treffen sich immer nur Menschen, keine Kulturen. In Momenten gegenseitigen Verstehens treffen wir schlicht einen Menschen, der ähnlich denkt und fühlt wie wir. Dieses Gefühl von Gemeinsamkeit kann von vielem abhängen: von Persönlichkeit, Lebenserfahrung, Emotionen, Interessen, Ausbildung, Alter, Geschlecht. Wir sind in einer Herz-zu-Herz-Beziehung: Wir werten nicht und wir beurteilen nicht. Stattdessen vertrauen wir und wertschätzen.

Jede Kultur besteht auf der Metaebene aus drei Bereichen: der Herkunft, dem System und dem Individuum. Um das zu verdeutlichen, ist das Bild einer süßen Kirsche hilfreich, die ebenfalls aus drei Teilen besteht: der Haut außen an der Oberfläche, dem Fruchtfleisch und dem Kern.

Das süße Fleisch der Kirsche

Jetzt versuchen wir, die Brücke zu schlagen vom Kulturmodell zur süßen Kirsche. Die Herkunft ist das, was wir an einem Menschen als erstes wahrnehmen: seine Hautfarbe, seine Sprache, Gestik und Mimik, seine Sitten und Gebräuche. Bei der Kirsche ist das erste, was wir sehen, die Haut.

Das süße Fruchtfleisch der Kirsche ist das Individuum, der Mensch. Und wie wir an der Haut der Kirsche nicht erkennen können, ob sie wirklich süß schmeckt, so lernen wir einen Menschen erst durch Gespräche kennen – nicht durchs Angucken. Auf dieser Ebene, in Mensch-zu-Mensch-Beziehungen, unabhängig von Herkunft und System, lassen sich viele Gemeinsamkeiten finden.

Der harte Kern der Kirsche entspricht dem System, aus dem ein Mensch kommt. Mit dem System sind mehrere Dinge gemeint: das politische System und die Gesellschaft, aus denen er kommt, seine Religion, seine Ethik und Glaubensmodelle, seine soziale Klasse und seine Familie.

Aus dieser Metapher wird deutlich: eine Mensch-zu-Mensch Beziehung wird nur dann möglich, wenn wir uns auf das Individuum konzentrieren, das uns gegenübersitzt – auf das Süße in der Kirsche. Die Suche nach Gemeinsamkeiten ist der Schlüssel zum Erfolg – und nicht die ewige Diskussion um die Schwächen des Anderen, die zu Stärken werden sollen.

Warum gelingen solche Beziehungen in der Welt des Business so selten? Es liegt an der mangelnden Bereitschaft, uns als Mensch zu öffnen. Und es liegt zusätzlich an fehlendem Wissen darüber, wie kulturelle Öffnung funktionieren kann, ohne seine eigene Kultur aufgeben zu müssen.

Die Energie, die man investiert um kulturell offen zu sein, sollte dem Individuum gelten. Ihm sollten wir unsere Aufmerksamkeit schenken:

“Energy flows were attention goes”