Die Macht der Monokultur: Sind Männer erfolgreicher als Frauen?

Über Jahrhunderte spielten die Männer die Hauptrolle in dieser Welt. Sie erzählten und deuteten Geschichten, waren Maß und Norm für Wissenschaft, Rechtsprechung und Ingenieurskunst. Es ist die Macht der Monokultur.

Ein Blick auf die großen Hightech Unternehmen

Wenn man auf Statistiken schaut, dann ist sichtbar, dass Männer in allen Bereichen der Berufswelt in der Mehrheit sind, obwohl die Anzahl der Frauen in der Bevölkerung statistisch gesprochen weltweit und in jedem Land etwas über 50% liegt.

Schaut man auf die Statista Studie vom Jahr 2021, dann sieht man, dass selbst die großen Hightech Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon, Microsoft und Apple weit entfernt von einer Geschlechterparität sind. Der Anteil von Frauen im technischen Bereich liegt bei 23-25%, der Anteil von Frauen in Leadership Positionen liegt bei 26-34%.

Ein Blick auf Börsenneulinge

Frauen schaffen es laut einer Allbright-Stiftung Studie zufolge bislang kaum in die Topetagen börsennotierter ehemaliger Start-ups wie Delivery Hero. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Jungunternehmen den Fehler der vorhergehenden Generation wiederholen. Sie wachsen ohne Frauen. Die deutsch-schwedische Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Bei den zehn Unternehmen, die in den vergangenen 15 Jahren gegründet wurden und in einem der Indizes der Dax-Familie vertreten sind, liegt der Frauenanteil im Vorstand bei 5,4 Prozent. Im Schnitt der 160 Unternehmen aus Dax, MDax und SDax sind es 12,6 Prozent.

Bis auf den Online-Möbelhändler Home24 und das Pharmaunternehmen Medios sind der Studie zufolge alle Vorstände der Jungunternehmen, die seit höchstens fünf Jahren in einem der Dax-Indizes notieren, ausschließlich mit Männern besetzt. Viele der Börsenneulinge waren zuvor Start-ups, die in Deutschland überwiegend von Männern gegründet wurden.

Die Norm weiß, cis, männlich hat ausgedient

Über Jahrhunderte spielten die Männer die Hauptrolle in dieser Welt. Sie erzählten und deuteten Geschichte, waren Maß und Norm für Wissenschaft, Rechtsprechung und Ingenieurskunst. Sie haben die Welt aus deren Perspektive und zu deren Vorteilen aufgebaut. Es ist an der Zeit, das ganze Bild zu malen – indem wir die Sicht der Frauen über die Welt auch berücksichtigen.

Unsere Welt ist an vielen Stellen für durchschnittliche weiße Cis-Männer normiert, die Teils als das Maß aller Dinge gelten. Immer mehr Frauen erkennen, dass es wichtig ist, das Bild der Frauen über die Welt zu malen. Es ist eine andere Sicht über die gleiche Welt. Nur wenn wir über diese Sicht der Dinge sprechen, schaffen wir eine gesellschaftliche Debatte, die dazu führen muss, dass Bedürfnisse und Fähigkeiten von Frauen ernst genommen werden.

Mit gutem Beispiel geht die Kardiologin Vera Regitz-Zahrosek voran. Sie ist ist eine deutsche Fachärztin für Kardiologie. Sie ist Mitbegründerin der Gendermedizin in Deutschland und hat die erste und bisher einzige Professur für frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herzkreislauf-Erkrankungen inne.

Sie ist eine der Ersten in Deutschland, die bewiesen hat, wie groß die Gefahr für Frauen ist, wenn man ihren Infarkt nicht erkennt und behandelt. Frauen haben häufig bei Infarkt andere Symptome als Männer. Selbst Mediziner:innen wissen das oft nicht, weil es nicht in ihren Lehrbüchern stand. So ist das Risiko für Frauen, an einem Herzinfarkt zu sterben, bis heute größer als das der Männer. Frauen rufen bei einem Infarkt im Schnitt später die Rettung, müssen in den Kliniken, wie weltweite Studien belegen, länger warten, bekommen seltener die passenden Medikamente. Medizin und Forschung setzt immer noch den Mann als Standard und gefährdet dadurch das Leben der Frauen.

Doch was hindert Frauen erfolgreich zu sein?

Es gibt viele Gründe, die die oberen Zahlen erklären könnten. An der Stelle würde ich gerne auf ein Thema aufmerksam machen wollen.

Im Patriarchat, das mancherorts bis heute andauert, üben die Männer die Herrschaft in der Familie aus und verhalten sich Frauen gegenüber dominant. Da Frauen finanziell abhängig sind und weniger Rechte haben, werden sie unterdrückt, entwertet und ausgenutzt. Diese Opfer Rolle, in die Frauen jahrhundertelang gedrängt wurden, ist unbewusst immer noch aktiv. Dieses alte Programm ist im kollektiven Unterbewusstsein von uns allen installiert. Viele Frauen empfinden deshalb immer wieder ein Gefühl der Machtlosigkeit, der Schwere und glauben, sie schaffen es nicht, ihr Leben glücklich und erfolgreich zu gestalten. Ganz oft bleiben Sie auch deshalb unter Ihren Möglichkeiten.

Die meisten von uns sind daran gewöhnt, zu funktionieren und ihre Rolle in der Gesellschaft auszuüben. Wir funktionieren und können uns selbst gar nicht mehr spüren. Dabei sind es nicht immer die anderen, die uns verletzen, sondern ganz oft sind wir viel zu streng mit uns selbst und handeln gegen unseren Bedürfnissen. Frauen verletzen sich selbst, indem sie nicht auf ihre innere Stimme hören, sich kleiner machen als sie sind, sich fremd bestimmen lassen, sich dem männlichen Prinzip unterordnen und anpassen. Diese Muster der Selbst-Ablehnung, die einfach übernommen worden sind,  gilt es zu erlösen und die unterdrückten Seelenkräfte der Frau wieder zuzulassen.

Es ist an der Zeit, ein neues Bild über die Welt zu malen. In dieser neuen Welt haben Männer und Frauen gleiche Chancen – Diversität ist Normalität. Männer und Frauen müssen gemeinsam daran arbeiten, dass eine Veränderung des patriarchalischen Systems und der Sichtweisen entsteht.

Vielfalt statt Männermannschaft: Von der Monokultur zur Vielfalt

Es stellt sich folgende Frage: Was muss gemacht werden, damit eine geschlechterbezogene Monokultur in eine diverse Welt transformiert werden kann?

Einige würden sagen, dass die Menschheit einfach so weiter machen könnte. Andere sind der Meinung, dass eine Veränderung notwendig ist. Aber warum ist eine Veränderung notwendig?

Die globale Gesellschaft steht vor unglaublichen Herausforderungen. Wir brauchen kreative Ideen, um zu umweltfreundlichen und nachhaltigen Lösungen zu kommen. Die Entwicklungen der zurückliegenden Jahrzehnten haben gezeigt, dass das in eine geschlechterbezogenen patriarchalischen Monokultur nicht mehr geht. Frauen müssen die gleichen Chancen haben wie Männer, damit sie am Entscheidungstisch sitzen können und dabei nicht ihre Stärken verlieren.

Die Transformation zu einer vielfältigen Gesellschaft kann nur durch die Vermittlung von Wissen vollzogen werden. „Wissen ist Macht“ – ist im Deutschen ein geflügeltes Wort, das auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) zurückgeht. Sein Bestreben war es, den Menschen in einen höheren Stand des Daseins durch Wissenschaft zu bringen.

Wenn die Welt lernen würde, dass Empathie, Intuition und Kooperation Führungskompetenzen sind, die genauso wichtig sind wie Durchsetzungsfähigkeit, Kraft und Konkurrenzorientierung, dann würde die Erde eine bessere Welt sein. Und genau darum geht es. Die Welt auf einen höheren Stand ihres Daseins zu bringen – dieses Mal nicht durch die Wissenschaft, sondern durch persönliche Entwicklung auf globaler Ebene.

„Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt“, sagt Konfuzius.

Frauen bedeutet dies, dass sie schon in jungen Jahren verstehen müssen, dass die patriarchalische Sozialisation sie stark prägt. Sie müssen Klarheit über das eigene Leben gewinnen, Hintergründe erkennen und Veränderung vorantreiben.

Sich als junge Frau frühzeitig, aktiv und bewusst zu empowern, ist wichtiger als auf eine Systemänderung zu warten. Die Gestaltung des Lebens ist in der Hand jeder jungen Frau. Und wenn Frauen über längere Zeit eigene Schwerpunkte setzen, wird sich auch langfristig das System ändern.

Die Arbeitswelt braucht Positivität: Führung neu definieren

Führung neu definieren

Es sind viele Maßnahmen ergriffen worden, um die Arbeitswelt diverser zu gestalten. Viele Arbeitsgeber:innen haben über Jahre hinweg sich bemüht, Änderungen durchzusetzen. Vieles ist gelungen und man kann dankbar dafür sein. Heute sind flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Kinderbetreuungseinrichtungen, Auszeit für Eltern uvm. eine Selbstverständlichkeit geworden.

Wo jedoch nur wenig Veränderung stattgefunden hat, ist die Arbeitskultur. Dort herrschen immer noch maskuline Wettkämpfe. Dort fühlen sich insbesondere Männer unter Druck gesetzt, um zu zeigen, was es bedeutet, ein „echter Mann“ zu sein. Die sogenannte maskuline Wettkampfkultur wurde in einer Studie [1] aus England gut beschrieben. Es geht um toxische Führung [2], Mobbing und Belästigung.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mehr Gefühl, mehr Freude und mehr Positivität in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt brauchen. Um all das zu schaffen, brauchen wir diverse und inklusive Arbeitskulturen. Wir brauchen mehr Beteiligung von Frauen in allen Bereichen und auf allen Ebenen der Gesellschaft. Dafür stehe ich ein und dafür brennt mein Feuer. Ich werde nicht aufhören, darüber zu schreiben, zu sprechen, auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Ich verfolge dieses Thema mit einer großen Leidenschaft und hoffe, dass der Funke meiner Begeisterung auf Dich überspringt. Bist Du bereit, diesen Funken in Dir aufzunehmen?

Referenzen

[1] Jennifer L. Berdahl, Marianne Cooper, Peter Glick, Robert W. Livingston, Joan C. Williams, Work as a Masculinity Contest, Journal of Social Issues, First published: 13 September 2018

[2] Kenneth Matos, Olivia (Mandy) O’Neill, Xue Lei, Toxic Leadership and the Masculinity Contest Culture: How “Win or Die” Cultures Breed Abusive Leadership, Journal of Social Issues, First published: 13 September 2018

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