Wie kann man Frauen sprachlich sichtbar machen?

Wenn wir Bezug nehmen auf die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (GfdS) ist das gar nicht so einfach. Schon in den 1970er Jahren formierte sich eine Bewegung, die die männerzentrierte Sprachverwendung kritisierte und verlangte, dass auch Frauen sprachlich sichtbar gemacht werden. Ihr Leitgedanke: „Sprache [bestimmt] das Denken und auch das Bewusstsein der Menschen […]; Sprache spiegelt nicht nur Realität, sie schafft auch Realität.“ (Eichhoff-Cyrus 2004: 7).

Wie bei allen Themen, die die Gesellschaft betreffen, sind auch bei der geschlechtergerechten Sprache die Meinungen kontrovers. Noch immer halten viele am generischen Maskulinum fest und argumentieren damit, dass es sich einerseits auf beide Geschlechter beziehe, andererseits Genus nichts mit Sexus, das grammatische also nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun habe.

Im aktuellen Sprachgebrauch sind, wie unten aufgelistet, einige Möglichkeiten anzutreffen.

Paarformel/Doppelnennung – von GfdS empfohlen

Beide Geschlechter werden explizit und unabgekürzt genannt: Schülerinnen und Schüler, Bäuerinnen und Bauern, Kundinnen und Kunden.

Sparschreibungen/Kurzformen – von GfdS nicht empfohlen

a) Schrägstrichlösung (Schülerinnen/Schüler, Bauer/Bäuerin, er/sie)

b) Klammerlösung (Fahrer(innen), jede(r), Maler(in))

c) Binnenmajuskel (VertreterInnen, LehrerInnen)

d) Gendergap (Verkäufer_in, Sammler_innen)

e) Gendersternchen (Verkäufer*in, Sammler*innen)

Ersatzformen – von GfdS empfohlen

  • Substantivierte Partizipien oder Adjektive: der/die Bevollmächtigte, der oder die Kranke, die Teilnehmenden, die Studierenden
  • Passivierung:

Statt: Der Antragsteller muss folgende Unterlagen beifügen

Besser so: Folgende Unterlagen sind beizufügen/müssen beigefügt werden

  • Sachbezeichnung:

Statt: Informant, Journalist, Fachmann, Leiter, Kollege etc.

Besser so: Quelle, Presse, Fachkraft, Leitung, Kollegium, Personal, Belegschaft etc.

  • Generische Substantive ohne Movierung: Einige Personenbezeichnungen sind inhärent generisch und können bedenkenlos für beide Geschlechter verwendet werden, ohne dass sie eine weibliche Endung erhalten: Dazu gehören: Mensch, Person, Mitglied
  • Umformulierung mithilfe des Adjektivs:

Statt: Rat eines Arztes, Abschluss der Studenten, Hinweis eines Fachmanns, Kritiker

Bitte so: ärztlicher Rat, studentischer Abschluss, fachlicher Hinweis, kritische Stimmen

  • Direkte Anrede:

Statt: Besucher werden gebeten, ihren Ausweis vorzuzeigen.

Besser so: Bitte zeigen Sie Ihren Ausweis vor.

  • Bildung von Relativsätzen:

Statt: Der Antragsteller hat …, alle Teilnehmer

Besser so: Wer einen Antrag stellt, hat …, alle, die teilnehmen

  • Erklärender Klammerzusatz:

Statt: Wir suchen Maler.

Besser so: Wir suchen Maler (m/w/d).

  • Adverbiale Bestimmung:

Statt: … handeln als Vertreter

Besser so: … handeln in fremdem Namen

Im Sinne der Gleichberechtigung sollten Unternehmen bereits im Stellentitel darauf achten, diesen geschlechtsneutral zu verfassen und auch im gesamten Text des Stelleninserats sowohl die weibliche als auch die männliche Form zu berücksichtigen bzw. geschlechtsneutrale Ausdrücke wie StudierendeLernende oder Mitarbeitende zu verwenden.

#gender, #communication, #HR, #leadership, #diversity, #recruiting

https://www.linkedin.com/posts/dr-laura-lazar-63b893152_wie-kann-man-frauen-sprachlich-sichtbar-machen-activity-6744556593435688961-Sh0h

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