Frauen können all das, was Männer können

Über Jahrhunderte spielten die Männer die Hauptrolle in dieser Welt. Sie erzählten und deuteten Geschichten, waren Maß und Norm für Wissenschaft, Rechtsprechung und Ingenieurskunst. Es ist an der Zeit, ein neues Bild von der Welt zu zeichnen. In dieser neuen Welt haben Männer und Frauen gleiche Chancen – Diversität ist Normalität. Männer und Frauen müssen gemeinsam daran arbeiten, dass eine Veränderung des patriarchalischen Systems und der Sichtweisen entsteht. Damit das möglich wird, müssen junge Frauen erkennen, dass sie selbst Teil dieser Veränderung sind. Sie müssen sich frühzeitig mit den inneren und äußeren Hürden auseinandersetzen. Sie müssen sich inspirieren lassen und neue Wege für sich finden. In diesem Kapitel möchte ich junge Frauen dazu ermutigen, den Status-Quo der Welt in Frage zu stellen, um neue Sichtweisen zuzulassen. Der Weg, den junge Frauen für sinnvoll und nachhaltig ansehen, soll vertrauensvoll und mutig bestritten werden.

Einleitung

„Frauen können all das, was Männer können!“ Das sagte schon Maria Teresa de Filippis. Die Rede ist von der ersten Rennfahrerin der Formel 1. Nur ist es für Frauen meist ein viel härterer Kampf, sich in der Männerwelt durchzusetzen und zu behaupten. Die Leistungen von Frauen werden bis dato mit deutlich weniger Ruhm belohnt.

Mit 22 Jahren begann de Filippis mit Autorennen. Vorangegangen war nach eigenen Angaben eine Wette mit ihren Brüdern, die ihr nicht glauben wollten, dass sie sich einer solchen Herausforderung stellen würde. Ihr erstes Straßenrennen führte in Italien über zehn Kilometer von Salerno nach Cava de‘ Tirreni und endete mit einem Klassen-Sieg für die junge Frau. 1954 nahm sie dann bereits mit einem Osca 1100 an Sportwagen- und Bergrennen in Italien teil. 1955 stieg sie ins Werksteam von Maserati auf.

Der steinige Weg für Frauen fängt bereits in jungen Jahren an. Die kulturelle Landschaft, die sozialen Konformitätsnormen, die unbewussten Denkmuster, die erlernten Geschlechterrollen und hinderlichen Glaubenssätze prägen uns alle in jungen Jahren. Selbst in Deutschland haben Mädchen, weil sie dem weiblichen Geschlecht angehören, keine Möglichkeit, Konkretes über die inneren und äußeren Hürden zu erfahren, die sie zu überwinden haben. Sie erleben diese Hürden, denken aber oft, es liege an ihnen. Viele sind der Meinung, sie würden etwas falsch machen. Schuld- und Schamgefühle sowie der Drang nach Perfektionismus kommen häufig dazu..

Erst später im Leben erfahren junge Frauen bewusst vom System Patriarchat. Im Duden wird das Patriarchat als die Gesellschaftsordnung definiert, bei welcher der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat und Familie innehat und bei der in Erbfolge und sozialer Stellung die männliche Linie ausschlaggebend ist. Erst später im Leben zementiert sich der Glaube, dass bei gleicher Leistung Frauen nicht gleich bewertet werden wie Männer. Das Patriarchat als soziale Struktur gewährt Männern viele Privilegien, die sich Frauen erst erkämpfen müssen.

Die Auseinandersetzung mit geschlechtsbezogenen Themen beschäftigt uns alle – bewusst oder unbewusst – jeden Tag. Es ist nicht nur ein Thema in der familiären Erziehung, in der Gesellschaft oder am Arbeitsplatz, sondern auch eine fachliche Herausforderung in Bildungseinrichtungen. Die Forschung hat in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet stark zugenommen.

Weibliche Teenanger brauchen Inspiration

„You are where you are in life because of what you believe is possible for yourself.“

Oprah Winfrey

Inspiration ist der kleine Funke, der uns Dinge tun lässt, die wir vorher nicht für möglich gehalten haben. Voraussetzung ist immer, dass wir offen für Neues sind, dass wir uns inspirieren lassen.

Ein Beispiel für große Inspiration ist Oprah Gail Winfrey aus Amerika: Eine besondere Frau, eine Ikone, eine Talkshow-Moderatorin, Schauspielerin, erfolgreiche Unternehmerin und Philanthropin. Sie steht für eine Sache ein, spricht offen über unterschiedliche Aspekte des Lebens, lädt Personen ein, die unter Armut litten oder Opfer unglücklicher Umstände sind. Sie zählt heute aus meiner Sicht zu den inspirierendsten Menschen überhaupt. Warum? Weil sie eben diese Eigenschaften hat: Leidenschaft, Empathie, eine große Seele und Emotionen, die sie teilt. Kopf, Herz und Hand.

Das vorliegende Buch soll junge Frauen inspirieren und ihnen zeigen, dass ein erfülltes erfolgreiches Leben gestaltbar ist. Das ist keine einfache Aufgabe, denn Inspiration ist individuell, wie wir Menschen selbst. Inspiration ist lebendig und funktioniert über Rollenmodelle. Mit Inspiration geht es leichter in die Umsetzungsphase mit dem Ziel, innere und äußere Hürden zu überwinden, um ein sinnerfülltes und erfolgreiches Leben zu führen.

Die Macht der Monokultur: Sind Männer erfolgreicher als Frauen?

Ein Blick auf die großen Hightech Unternehmen

Die Statista [1] Studie aus dem Jahr 2021, zeigt, dass selbst die großen Hightech Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon, Microsoft und Apple weit entfernt sind von einer Geschlechterparität. Der Anteil von Frauen im technischen Bereich liegt bei 23 bis 25 Prozent; der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt bei 26 bis 34 Prozent.

Ein Blick auf Börsenneulinge

Die deutsch-schwedische AllBright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein. Frauen schaffen es laut einer AllBright-Stiftung [2] Studie zufolge bislang kaum in die Top-Etagen börsennotierter ehemaliger Start-ups wie Delivery Hero. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Jungunternehmen die Fehler der vorhergehenden Generation wiederholen. Sie expandieren, jedoch ohne Frauen.

Bei den zehn Unternehmen, die in den vergangenen 15 Jahren gegründet wurden und in einem der Indizes der Dax-Familie vertreten sind, liegt der Frauenanteil im Vorstand bei 5,4 Prozent. Im Schnitt der 160 Unternehmen aus Dax, MDax und SDax sind es 12,6 Prozent.

Bis auf den Online-Möbelhändler Home24 und das Pharmaunternehmen Medios sind der Studie zufolge alle Vorstände der Jungunternehmen, die seit höchstens fünf Jahren in einem der Dax-Indizes notieren, ausschließlich mit Männern besetzt. Viele der Börsenneulinge waren zuvor Start-ups, die in Deutschland überwiegend von Männern gegründet wurden. 13% der Start-ups werden von Frauen gegründet.

Die Norm weiß, cis, männlich hat ausgedient

Über Jahrhunderte spielten die Männer die Hauptrolle in dieser Welt. Sie erzählten und deuteten Geschichte, waren Maß und Norm für Wissenschaft, Rechtsprechung und Ingenieurskunst. Sie haben die Welt aus ihrer Perspektive und zu ihrem Vorteil aufgebaut. Es ist an der Zeit, das komplette Bild in den Fokus zu rücken – indem wir auch die Sicht der Frauen über die Welt berücksichtigen.

Unsere Welt ist an vielen Stellen für durchschnittliche weiße Cis-Männer normiert. Sie gelten teilweise als das Maß der Dinge. Doch immer mehr Frauen erkennen, dass es wichtig ist, die Sicht der Frauen und ihr Bild von der Welt zu berücksichtigen. Es ist dieselbe Welt, jedoch aus einer anderen Perspektive. Nur wenn wir über diese Sicht der Dinge sprechen, schaffen wir eine gesellschaftliche Debatte, die dazu führen muss, dass Bedürfnisse und Fähigkeiten von Frauen ernst genommen werden.

Mit gutem Beispiel geht die Kardiologin Vera Regitz-Zahrosek voran. Sie ist eine deutsche Fachärztin für Kardiologie und Mitbegründerin der Gendermedizin in Deutschland und hat die erste und bisher einzige Professur für frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herzkreislauf-Erkrankungen inne.

Vera Regitz-Zahrosek ist eine der Ersten in Deutschland, die bewiesen hat, wie groß die Gefahr für Frauen ist, wenn man ihren Infarkt nicht erkennt und entsprechend behandelt. Frauen haben bei einem Infarkt häufig andere Symptome als Männer. Selbst Mediziner:innen wissen das oft nicht, weil es nicht in ihren Lehrbüchern stand. So ist das Risiko für Frauen an einem Herzinfarkt zu sterben, bis heute größer als das der Männer. Frauen rufen bei einem Infarkt im Schnitt später die Rettung, müssen in den Kliniken länger warten, bekommen seltener die passenden Medikamente. Medizin und Forschung setzen immer noch den Mann als Standard und gefährden dadurch das Leben der Frauen.

Doch was hindert Frauen daran, erfolgreich zu sein?

Es gibt viele Gründe, die die oben genannten Zahlen erklären könnten. An dieser Stelle möchte ich auf ein weiteres Thema aufmerksam machen.

Im Patriarchat, das mancherorts bis heute andauert, üben die Männer die Herrschaft in der Familie aus und verhalten sich Frauen gegenüber dominant. Da Frauen häufig finanziell abhängig sind und weniger Rechte haben, werden sie unterdrückt, entwertet und ausgenutzt. Diese Opferrolle, in die Frauen jahrhundertelang gedrängt wurden, ist unbewusst immer noch aktiv. Dieses alte Programm ist im kollektiven Unterbewusstsein von uns allen installiert. Viele Frauen empfinden deshalb immer wieder ein Gefühl der Machtlosigkeit, der Schwere und glauben, sie schaffen es nicht, ihr Leben glücklich und erfolgreich zu gestalten. Ganz oft bleiben sie auch gerade deshalb unterhalb ihrer Möglichkeiten.

Die meisten von uns sind daran gewöhnt, zu funktionieren und ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft auszuüben. Wir funktionieren und können uns selbst gar nicht mehr spüren. Dabei sind es nicht immer die anderen, die uns verletzen, sondern ganz oft sind wir viel zu streng mit uns selbst und handeln gegen unsere Bedürfnisse. Frauen verletzen sich selbst, indem sie nicht auf ihre innere Stimme hören, sich kleiner machen als sie sind, sich fremd bestimmen lassen, sich dem männlichen Prinzip unterordnen und anpassen. Diese Muster der Selbst-Ablehnung, die einfach übernommen worden sind, gilt es zu aufzulösen und die unterdrückten Seelenkräfte der Frau wieder zuzulassen.

Vielfalt statt Männermannschaft: Von der Monokultur zur Vielfalt

Es stellt sich folgende Frage: Was muss getan werden, damit eine geschlechterbezogene Monokultur in eine diverse Welt transformiert werden kann?

Einige würden sagen, dass die Menschheit einfach so weiter machen könnte. Andere sind der Meinung, dass eine Veränderung notwendig ist. Aber warum ist eine Veränderung überhaupt notwendig?

Die globale Gesellschaft steht vor unglaublichen Herausforderungen. Wir brauchen kreative Ideen, um zu umweltfreundlichen und nachhaltigen Lösungen zu kommen. Die Entwicklungen der zurückliegenden Jahrzehnten haben gezeigt, dass das in eine geschlechterbezogenen patriarchalischen Monokultur nicht mehr geht. Frauen sollen die gleichen Chancen haben wie Männer, damit sie am Entscheidungstisch sitzen können und dabei nicht ihre Stärken verlieren.

Die Transformation zu einer vielfältigen Gesellschaft kann nur durch die Vermittlung von Wissen vollzogen werden. „Wissen ist Macht“ – ist im Deutschen ein geflügeltes Wort, das auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) zurückgeht. Sein Bestreben war es, den Menschen in einen höheren Stand des Daseins durch Wissenschaft zu bringen.

Wenn die Welt lernen würde, dass Empathie, Intuition und Kooperation Führungskompetenzen sind, die genauso wichtig sind wie Durchsetzungsfähigkeit, Kraft und Konkurrenzorientierung, dann würde die Erde eine bessere Welt sein. Und genau darum geht es. Die Welt auf einen höheren Stand ihres Daseins zu bringen – dieses Mal nicht durch die Wissenschaft, sondern durch persönliche Entwicklung und dies global.

„Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt“,

sagt Konfuzius.

Frauen bedeutet dies, dass sie schon in Teenager Jahren verstehen müssen, dass die patriarchalische Sozialisation sie stark prägt. Sie müssen Klarheit über das eigene Leben gewinnen, Hintergründe erkennen und Veränderung vorantreiben.

Sich als junge Frau frühzeitig, aktiv und bewusst zu empowern, ist wichtiger als auf eine Systemänderung zu warten. Die Gestaltung des Lebens ist in der Hand jeder jungen Frau. Wenn Frauen also über längere Zeit eigene Schwerpunkte setzen, wird sich auch langfristig das System ändern.

Die Arbeitswelt braucht Positivität: Führung neu definieren

Es sind viele Maßnahmen ergriffen worden, um die Arbeitswelt diverser zu gestalten. Viele Arbeitsgeber:innen haben sich über Jahre hinweg bemüht, Änderungen durchzusetzen. Vieles ist gelungen und wir können dafür dankbar sein. Heute sind flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Kinderbetreuungseinrichtungen, Auszeit für Eltern uvm. eine Selbstverständlichkeit geworden.

Wo jedoch nur wenig Veränderung stattgefunden hat, ist in die Arbeitskultur. Dort herrschen immer noch maskuline Wettkämpfe. Dort fühlen sich insbesondere Männer unter Druck gesetzt, um zu zeigen, was es bedeutet, ein „echter Mann“ zu sein. Maskuline Männer haben einen höheren Status, mehr Macht und Privilegien als Frauen oder weniger maskuline Männer. Die sogenannte maskuline Wettkampfkultur wurde in einer Studie [3] aus England gut beschrieben. Es geht um toxische Führung [4], Mobbing und Belästigung.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mehr Gefühl, mehr Freude und mehr Positivität in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt brauchen. Um all das zu schaffen, brauchen wir diverse und inklusive Arbeitskulturen. Wir brauchen mehr Beteiligung von Frauen in allen Bereichen und auf allen Ebenen der Gesellschaft. Dafür stehe ich ein und dafür brennt mein Feuer. Ich werde nicht aufhören, darüber zu schreiben, zu sprechen, auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Ich verfolge dieses Thema mit einer großen Leidenschaft und hoffe, dass der Funke meiner Begeisterung auf Dich überspringt. Bist Du bereit, diesen Funken in Dir aufzunehmen?

Der Erfolg fängt in Deinem Kopf an

„Glück hängt davon ab, ob du bereit bist, wenn die Gelegenheit kommt.“ sagt Oprah Winfrey

Erfolg bedeutet für jede:n von uns etwas anderes. Für den oder die eine bedeutet es, immer besser Geige zu spielen, um das eigene Lieblingslied perfekt spielen zu können. Für eine:n andere:n bedeutet Erfolg, das Glück in einer Beziehung zu finden, in der beide lieben und geliebt werden. Für andere ist der berufliche oder finanzielle Erfolg entscheidend.

Aber gibt es auch eine übergeordnete Bedeutung von Erfolg? Erfolgreich sein bedeutet, seine Lebensqualität zu erhöhen. Darüber hinaus besitzt Erfolg für uns alle eine individuelle Bedeutung. Sehr wahrscheinlich bezieht sich Erfolg auf mehr als nur auf einen Aspekt. Wer sich gut kennt und auf das Gleichgewicht im Leben achtet, hat die Basis für ein erfolgreiches Leben geschaffen.

Erfolg ist vor allem eines: eine Einstellung. Das Zitat des deutschen Regisseurs Anton Weber bringt es auf den Punkt: „Die einzige Person, die dem eigenen Erfolg im Weg steht, ist die, welche wir im Spiegel sehen“.

Wer akzeptiert, dass er oder sie den eigenen Erfolg massiv beeinflussen und gestalten kann, schafft die Basis für diesen Triumph. Entscheide Du Dich für Deinen Erfolg.

Was eint erfolgreiche Menschen?

Der Harvard-Professor Shawn Achor [5] beschäftigt sich mit dieser Frage bereits seit Jahren und ist inzwischen zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen: Es gibt einen Denkfehler, der unseren Erfolg regelrecht sabotieren kann.

Achor stellte fest, dass viele Menschen glauben, sie könnten erfolgreicher werden, indem sie härter arbeiten. Und im Zuge dessen wären sie glücklicher, je erfolgreicher sie sind. Das ist aber falsch! Die Ergebnisse der Studien von Achor zeigen genau das gegensätzliche Ergebnis. Seine Studien belegen: Wer glücklich ist, dessen Gehirn ist um bis zu 31 Prozent produktiver als das Gehirn in einem neutralen oder negativem Gedanken-Zustand. „Die Intelligenz ist dann höher, die Kreativität verstärkt sich, das Energielevel steigt an. Verkäufer steigern ihre Leistung um 37 Prozent; Ärzte arbeiten 19 Prozent schneller und akkurater“, sagt Achor.

Fazit: Du wirst nicht glücklicher, indem Du erfolgreicher wirst. Es ist genau umgekehrt: Wer glücklich ist, wird auch erfolgreicher und schöpft sein wahres Potenzial voll aus.

“Happiness is the joy you feel moving towards your potential.”

Shawn Achor

Weiterhin stellt Achor fest, dass wir viel erfolgreicher sind, wenn wir andere um uns herum auf dem Weg zum Erfolg unterstützen. Wenn wir nur auf unsere individuelle Leistung achten, werden wir nicht unser komplettes Potenzial ausschöpfen können. Indem wir anderen zum Erfolg verhelfen, amplifizieren wir unseren eigenen Erfolg. Das ist für Frauen eine starke Botschaft. Denn wenn wir uns gegenseitig unterstützen und fördern, wird jede Frau stärker. Frauen sollten nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Das ist möglicherweise der falsche Weg.

Was prägt uns? – Ist die Prägung geschlechtsspezifisch?

Ich habe mir sehr oft die Frage gestellt, was mich überhaupt geprägt hat und ob das, was mich geprägt hat, auch eine geschlechtsspezifische oder eher geschlechtsneutrale Erfahrung war.

Es sind vier Elemente, die uns direkt oder indirekt beeinflussen: das biologische Geschlecht z.B. Chromosomen, Hormone, das soziale Geschlecht also Gender, die physiologischen Merkmale wie Muskelmasse, Geschlechtsorgane, Körpergröße und das Umfeld, die familiäre Erziehung und Kulturlandschaft.

Die geschlechtsbezogenen Unterscheidungen gehen eher von Erwachsenen aus, denn im Verhalten von Kindern unter drei Jahren gibt es zunächst nur wenige Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Das ist auch bei Krippenkinder zu beobachten: Individuelle Unterschiede sind groß, geschlechtstypisches Verhalten dagegen nur selten zu sehen.

Wenn Jungen und Mädchen älter werden, fragen sie nach körperlichen Unterschieden und setzen sich mit den geschlechtstypischen Unterscheidungen auseinander, die sie in ihrer Umwelt erleben. Gegen Ende der Kindergartenzeit stellen sich viele Kinder aktiv als Mädchen oder als Jungen dar. Sie wollen nicht „gleich“ sein, sondern heben Geschlechterunterschiede hervor, zeichnen sie sogar und grenzen sich vom anderen Geschlecht ab.

Das Gehirn hat kein Geschlecht – es ist ein Mosaik aus weiblichen und männlichen Elementen

Wir kennen sie alle – die typisch „weiblichen“ und typisch „männlichen“ Eigenschaften. Wir tun uns alle schwer, wenn wir uns nicht nach den stereotypisierten Erwartungen verhalten. Eine Frau empfindet Eigenschaften, die als extrem männlich gelten, an sich selber als unangenehm. Genau so geht es dem Mann mit den weiblichen Eigenschaften. So haben Frauen oft Mühe aggressiv zu wirken oder Führung zu übernehmen. Das liegt daran, dass man ihnen beigebracht hat, dass Frauen mütterliche Gefühle haben und den Männern gefallen sollten. Männer können dagegen Güte, Mitleid, Zuneigung und ähnliche Eigenschaften bei sich oft nicht akzeptieren, weil sie Angst haben, als schwach zu gelten.

In der Gender-Forschung gibt es zur Entwicklung der männlichen und weiblichen Geschlechtsidentität zwei Meinungen, die kontrovers diskutiert werden: die sogenannte Geschlechter-Ähnlichkeitshypothese [6] und die Evolutionspsychologie [7]. Der Mythos, dass das Gehirn eines Mannes ganz anders aussieht und funktioniert als das einer Frau, hält sich hartnäckig. Dabei sind die Unterschiede meist klein, sagen Forscher:innen. Die Geschlechter-Ähnlichkeitshypothese geht davon aus, dass Männer und Frauen sich wenig voneinander unterscheiden.

Die Anhänger:innen der Evolutionsbiologie sind davon überzeugt, dass beide Geschlechter sich stark unterschiedlich entwickeln mussten, weil der Evolutionsdruck – Mann auf der Jagd, Frau umsorgt in der Höhle die Kinder und hütet das Feuer – massiv war. Die Gene änderten sich geschlechtsspezifisch.

Innerhalb der Geschlechter können die Unterschiede nämlich größer sein als zwischen Mann und Frau. Und es ist nicht klar, ob diese Unterschiede überhaupt etwas mit dem Verhalten oder bestimmten Fähigkeiten zu tun haben. Wie ausgeprägt letztendlich typisch weibliche oder männliche Eigenschaften eines Menschen sind, hängt von vielen anderen Faktoren ab.

Laut Studien, die von der israelischen Neurowissenschaftlerin Daphna Joel [8][9] durchgeführt wurden, sind unsere Gehirne ein Mosaik aus männlichen und weiblichen Elementen. Laut dieser Studie gibt es so gut wie keine typisch „weiblichen“ oder typisch „männlichen“ Gehirne.

Prof. Dr. Gina Rippon [10] hat den Begriff „Neurotrash“ eingeführt. Als Neurotrash bezeichnet sie die vertretene Meinung, dass die Unterschiede in dem Geschlechterverhalten biologisch seien. In ihren Studien zeigt sie, dass die unterschiedlichen Erfahrungen, die wir im Laufe des Lebens machen, die Unterschiede in den Gehirnen ausmachen.

Maskulinität und Feminität – zwei unabhängige charakteristische Merkmale

Sandra Bem war eine US-amerikanische Psychologin und Psychotherapeutin, die Pionierarbeit in der Forschung zu Gender Studies, Geschlechterrollen und Androgynie geleistet hat. Sie entwickelte das Bem Sex Role Inventory [11], einer der heute meistgenutzten Fragebögen, um maskuline und feminine Persönlichkeitseigenschaften zu erfassen.

Sie betrachtete Maskulinität und Feminität als zwei unabhängige charakteristische Merkmale, die beide gleichermaßen zur Beschreibung einer Person herangezogen werden können (Androgynie-Konzept). Die Maskulinitäts-Skala des Bem Sex Role Inventory enthält Persönlichkeitseigenschaften, die bei Männern als sozial erwünscht gelten wie «bereit, etwas zu riskieren», während die Feminitäts-Skala Eigenschaften enthält, die bei Frauen sozial erwünscht sind wie «warmherzig».

Je nachdem, mit welchen Eigenschaften sich Menschen beschreiben, kann man sie in vier Gender-Typen einteilen: feminin – hohe Expressivität, niedrige Instrumentalität, maskulin – niedrige Expressivität, hohe Instrumentalität, androgyn – hohe Expressivität und Instrumentalität und undifferenziert – niedrige Expressivität und Instrumentalität. Expressivität wird als Ausdrucksfülle oder Ausdrucksstärke definiert. Hinter der Instrumentalität steht die Frage, in wie weit das erfolgreiche Handeln zu einem gewünschten Ergebnis führt. Für viele Erlebens- und Verhaltensbereiche ist das Gender wichtiger als das biologische Geschlecht. So kann eine Frau maskuline und ein Mann feminine Eigenschaften haben. Dadurch wird es noch einmal deutlich, dass wir auch im Verhaltensbereich ein Mosaik aus mehreren Elementen sein können.

Wir entscheiden, was uns formt

Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern. In meiner Welt habe ich die Erwachsenen in zwei Gruppen eingeteilt: In der einen Gruppe waren meine Rollenmodelle, deren Verhalten mich angesprochen hat – so wollte ich im Erwachsenenalter werden. In der anderen Gruppe waren die meisten zu finden – von diesen Erwachsenen wollte ich nichts übernehmen. Ich verstand sehr früh, dass ich Verhalten kopierte. Damals dachte ich, nur ich mache es so. Jetzt weiß ich, alle anderen verhalten sich ähnlich, nur sie sind sich dessen nicht bewusst.

Welche Faktoren waren für mich bei der Analyse meiner Rollenmodelle wichtig? Ich entschied mich, immer die Menschen zu bevorzugen, die bestimmte Kriterien erfüllten. Sympathie, Kompetenz, Aussehen, persönliche mentale Stärke, Erfolg, Kommunikationsfähigkeit, Intelligenz, Hilfsbereitschaft, Unabhängigkeit und sicherlich weitere Fähigkeiten, die mir wichtig waren.

Ich bin in einer großen Familie großgeworden. Die Großeltern mütterlicherseits wohnten mit uns zusammen. Die Familienangehörigen und die Art und Weise, wie sie miteinander umgingen, spielten für mich eine große Rolle. Aber ich schaute mich auch in anderen Familien um. Ich beobachtete Nachbarn und Bekannte, ich netzwerkte viel. Ich zog vieles in Betracht und suchte mir Verhaltensmuster aus, die mich befähigten, so zu werden, wie ich es wollte. Dementsprechend suchte ich mir die Menschen aus, mit denen ich eine Beziehung aufbaute, deren Meinung mir wichtig war und an denen ich mich orientierte. Dieser Prozess vollzog sich über viele Jahre hinweg – und ist bis heute aktiv.

Kinder wie Erwachsene wählen sich ihre Umwelt so weit wie möglich selbst aus. Sie gestalten diese dann, wie es für sie am besten passt. Folglich nehmen sie erheblichen Einfluss darauf, was sie formt und was nicht.

Ein Mädchen etwa interessiert sich schon als Dreijährige für die Briefmarkensammlung des Vaters. Sie lernt den sorgfältigen Umgang mit den empfindlichen Sammelobjekten, hat Freude am Zusammentragen und Ordnen von Dingen. Die andere fragt ihren Vater nach den Ländern, aus denen die Marken stammen. Später reist sie dorthin.

„Von der Zeugung an spielt der Mensch eine aktive Rolle für seine Entwicklung“, fasst der Berliner Persönlichkeitsforscher Jens Asendorpf [12] das Credo der modernen Entwicklungspsychologie zusammen. Wie ein Mensch sich im Laufe seines Lebens wandele, lasse sich also durch einfaches Ursache-Wirkung-Denken etwa: „Die autoritäre Erziehung hat ihn aggressiv gemacht.“ nicht angemessen beschreiben. Wie jemand ist und wie er wird, so Asendorpf, sei vielmehr das Resultat komplexer Wechselwirkungen mit der Umwelt und ist somit ein aktiv gestalteter Prozess.

Eltern sind Gestalter der kindlichen Umgebung

Eltern sind keine mächtigen Former ihrer Töchter und Söhne, sondern Gestalter:innen der kindlichen Umgebung. Sie bieten dem Kind etwas an. Erstens sich selbst: die Art zu sprechen, Gefühle zu zeigen oder zu verbergen, Schwierigkeiten anzugehen, Abhängigkeit und Unabhängigkeit zu leben, Werte einzufordern und vorzuleben. Zweitens verschaffen sie dem Kind Zugang zu ganz bestimmten Umwelten: zu Mitmenschen, zur Natur, Spielzeugen, Kindergärten, Schulen, Stadtvierteln.

Das Kind wählt aus, wovon es sich beeinflussen lässt und was an ihm abprallt. Im Alter kann es sich unter Umständen weit von der von seiner Familie vorgegebenen Welt entfernen.

Die elterliche Erziehung und ihre Vorbildfunktion wird von Jens Asendorpf nicht mehr für den am stärksten prägenden Umweltfaktor gehalten. Sie glauben nicht mehr wie einst Sigmund Freud, dass die Persönlichkeit eines Kindes in dessen ersten drei Lebensjahren zementiert wird – schwere Traumatisierungen ausgenommen. Jene Zeit, in der Kinder hauptsächlich mit den Eltern kommunizieren und sich in der von ihnen geprägten Umgebung aufhalten, wird heute nicht mehr und nicht weniger wichtig genommen als die mittlere Kindheit, das Jugendalter und die Erwachsenenzeit.

Fazit: Die Persönlichkeit ist die ganze Kindheit und Jugendzeit hindurch in Bewegung. Erst danach verfestigt sie sich allmählich. Doch selbst im höheren Erwachsenenalter sind noch Umbrüche möglich.

Die Vielfalt des Denkens ist Kapital

Durch den komplexen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung entsteht die personelle Vielfalt. Jede und jeder von uns ist einmalig. Personelle Vielfalt bedeutet, dass sich Personen nach vielfältigen Kriterien unterscheiden.

Es geht um sichtbare und unsichtbare Vielfaltsdimensionen. Zu den sichtbaren Vielfaltsdimensionen gehören Geschlecht, Alter, kulturelle Herkunft, Behinderung, sexuelle Orientierung uvm. Die sichtbaren Vielfaltsdimensionen werden im 2D Modell auch als eingeboren definiert. Zu den unsichtbaren oder erworbenen Vielfaltsdimensionen gehören die zeitlich stabilen Persönlichkeitseigenschaften, unsere Weltanschauung, kognitive Fähigkeiten, unsere Werte – zusammengefasst beschreiben diese Dimensionen die Vielfalt des Denkens.

Die Vielfalt des Denkens führt zu neuen Ideen und eine erhöhte Innovationskraft, zu Produktivitätserhöhung und höheren Profiten [13] und verschafft den Zugang zu globalen Märkten. All das führt zu mehr Wettbewerbsfähigkeit für jedes Unternehmen und jede Organisation. Um diese Vorteile zu erreichen, ist eine Diversity Strategie im Unternehmen erforderlich. Dafür braucht es Zeit und einen Kulturwandel.

Politisch und gesellschaftlich wird das Thema Diversität in Deutschland auf der Dimension des Geschlechts und der kulturellen Vielfalt festgelegt. Die Frauen, die LBGT+ Community und die Migranten stehen meist im Fokus. Alle anderen Dimensionen werden nur am Rande erwähnt. Das führt zu Verwirrung und zu polarisierenden Gesprächen. Es suggeriert, dass diejenigen, über die gesprochen wird, ein Problem haben und sie können darum leicht diskriminiert werden. Eine ganzheitliche Diversity-Debatte wäre viel effektiver und sinnvoller. Sie würde zeigen, dass Vielfalt etwas Normales ist, was jede und jeder von uns in sich trägt.   

Der Weg zum Erfolg: Der Umgang mit Andersartigkeit

Was für Dich Erfolg bedeutet, solltest Dir nicht vorschreiben lassen. Es geht nicht darum, die Wünsche anderer zu erfüllen. Es geht einzig und allein um Deine Wünsche und Vorstellungen, wie ein erfolgreiches und erfülltes Leben ausschauen kann. Aber wissen musst Du auf jeden Fall, dass Erfolg nur über die Auseinandersetzung mit dem Umfeld möglich ist. Wenn Du in einer männlichen Welt erfolgreich sein möchtest, dann musst Du Dich mit dieser Welt, so wie sie ist, auseinandersetzen.

Die Stärkung der emotionalen und sozialen Intelligenz ist von großer Bedeutung. Wir können viel aus unserer Erfahrung lernen, die wir mit Menschen machen, die anders denken und handeln. Wer Recht haben möchte, wird aus dieser Auseinandersetzung nicht viel mitnehmen können. Denn es geht darum, andere Perspektiven zuzulassen, zuzuhören und aus den Unterschieden zu anderen zu lernen. Es geht darum, aus der Komfortzone herauszukommen, voneinander lernen zu wollen, um uns weiter zu entwickeln.

Diversität fängt bei uns an. Mit der Vielfaltskompetenz werden wir nicht geboren. Wir müssen diese Kompetenz im Laufe des Lebens erlernen. In der Auseinandersetzung mit der Andersartigkeit müssen wir bewusst auf unsere unbewussten Denkmuster achten. Nur so können wir eine neue Haltung entwickeln.

Das Modell der arbeitenden Mütter

In jungen Jahren ist die Prägung durch das Elternhaus groß. Die Mutter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auch ihre Beziehung zum Beruf prägt uns – ganz besonders bei Mädchen. 

Die Frauen in den ehemaligen Ostblockländern, inklusive der ehemaligen DDR, gingen zu großen Teilen arbeiten. Das Modell der Hausfrau gab es so gut wie nicht. Viele Frauen waren finanziell unabhängig und durften sich im Berufsleben behaupten. Die Frauenerwerbstätigkeit in diesen Ländern war extrem hoch. Sich einer geregelten Arbeit zu entziehen, galt laut Strafgesetzbuch der DDR als „asoziales Verhalten“. Auch für Mütter war ein Vollzeitjob selbstverständlich; schon Babys wurden in den Krippen ganztags betreut. Im Westen Deutschlands hingegen dominierte lange Zeit das Alleinernährer-Modell. Die Ehefrau verdiente allenfalls etwas dazu.

Eine Studie der DIW [14] Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) aus dem Jahr 2020 zeigt, dass sich im Laufe der Jahre die Erwerbsquote der westdeutschen Mütter an die der ostdeutschen angeglichen hat. „Es hat einen langen Konvergenzprozess gegeben“, sagt DIW-Chef Marcel Fratzscher. „Und der Westen hat in vielerlei Hinsicht vom Osten gelernt.“ Gerade auch mit Blick auf die Erwerbstätigkeit von Müttern: Betrug der Unterschied zwischen Ost und West Anfang der 90er-Jahre noch 22 Prozentpunkte, lag er zuletzt bei nur noch vier Prozentpunkten.

Allerdings ist das Arbeitsvolumen ostdeutscher Mütter deutlich höher als das westdeutscher. In den Jahren nach der Wiedervereinigung arbeiteten Mütter mit betreuungsbedürftigen Kindern im Osten sogar noch häufiger Vollzeit als Frauen ohne Kinder im Westen. Seitdem ist die Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern mit jüngeren Kindern auch im Osten stark gesunken.

Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich sowohl einen Vollzeitberuf als auch Familie haben möchte. Mich nur für das Eine oder das Andere zu entscheiden, kam nie in Frage. Dass diese Doppelbelastung nicht leicht sein wird, wurde mir aber erst später klar. Wenn man als Frau dieses Modell wählt, bedeutet es auch, dass der Mann eine aktivere Rolle im Haushalt und in der Kinderbetreuung übernehmen muss. Sonst funktioniert das Modell nicht.

Frauen in Forschung und Entwicklung: Schlusslicht Deutschland

In den Ländern Osteuropas mit sozialistischer Vergangenheit sind deutlich mehr Frauen in männlichen Domänen z.B. IT Bereich, in der Forschung und in Führungspositionen vertreten sind als in Deutschland.

Laut Statista [15] – ein führender Anbieter für Markt- und Konsumentendaten – hat Nordmazedonien im Jahr 2019 den höchsten Frauenanteil in Forschung und Entwicklung in Europa. Mit einem Anteil von 56,4 Prozent sind in Nordmazedonien mehr Frauen als Männer in der Forschung und Entwicklung beschäftigt. Auf den Plätzen zwei bis elf folgen EU-Länder und EU-Beitrittskandidaten, die jeweils eine sozialistische Vergangenheit haben. In Lettland war 2018 bereits die Hälfte des Forschungspersonals weiblich. In den anderen Ländern der Europäischen Union bleiben Frauen in der Forschung unterrepräsentiert, obwohl Frauen in Europa häufiger über einen Hochschul- oder Universitätsabschluss verfügen.

In Deutschland betrug der Frauenanteil in der Forschung und Entwicklung im Jahr 2017 nur 22,6 Prozent und damit weniger als im Rest Europas. Dies deckt sich mit dem geringen Anteil von Professorinnen in Deutschland.

Meine persönliche Erfahrungen mit Diversität

Erfahrung mit der kulturellen Vielfalt

Als Kind musste ich mich in jungen Jahren viel mit kultureller Andersartigkeit auseinandersetzen. Ich bin im kommunistischen Rumänien der 70er Jahre groß geworden. In meiner Kindheit spielte ich mit Kindern unterschiedlicher Ethnien: Ungarn, Deutsche, Jugoslawen und Rumänen. Die kulturelle Diversität war Teil der Gesellschaft – jede:r durfte die eigene Kultur leben und die eigene Sprache sprechen.

Meine Mutter entschied sich, uns Kinder zweisprachig ausbilden zu lassen. Mit fünf Jahren kam ich als Rumänin in einen deutschen Kindergarten. Ich verstand kein Wort. Sprache war aber nicht meine einzige Barriere. Ich verstand das Verhalten nicht – auch die Regeln, die Werte und die geltenden sozialen Normen waren ganz anders. Diese fremde Welt machte mir aber nichts aus. Ich setzte mich mit dem Neuen auseinander und ich setzte mich auch durch.

Dann kam ich in die Schule und meine deutsche Grundschullehrerin mochte mich am Anfang überhaupt nicht. Ich war ihr ein Dorn im Auge. Ich stellte unangenehme Fragen und ich war für sie eine Fremde. Es war für uns beide nicht leicht. Aber im Laufe der Zeit, fanden wir beide einen guten Weg zueinander – irgendwann schätzten wir uns gegenseitig. Wenn ich daran zurückdenke, erinnere ich mich an eine insgesamt tolle Zeit.

Dabei lernte ich, dass Sympathie gar nicht so wichtig ist, um mit Menschen in einer guten Beziehung zu sein. Es braucht die Bereitschaft, aus der Komfortzone herauskommen zu wollen, um sich mit der Andersartigkeit auseinanderzusetzen. Ohne Erwartungen und Wertungen in die Beziehung einzusteigen, ist essentiell. Ist dies nicht der Fall, baut sich eine innere Hürde auf. Durch die Umstände wurde ich gezwungen, diese innere Hürde zu überwinden. Je mehr ich im Laufe der Jahre ähnliche Erfahrungen machte, desto einfacher wurde es, mich mit Menschen, die anders waren, auseinandersetzen zu wollen und zu können.

In diesem Prozess geht es nicht um Integration. Es geht darum, dass beide Seiten sich aktiv beteiligen und sich verändern. Es geht um die Entstehung einer neuen Mitte – alle Parteien müssen sich aktiv beteiligen. Keiner kann passiv zuschauen und erwarten, dass der oder die andere sich anpasst. Es geht um die Entwicklung einer neuen Denke und neuer Verhaltensmuster. Es entstehen neue soziale Normen, neue Werte und neue Regeln. 

Erfahrungen mit der geschlechtsbezogenen Vielfalt

Die Kleidung und ein Großteil der Spielsachen in den 70er und 80er Jahren waren noch weitgehend genderneutral. Es gab keinen Rosa-Hellblau-Wahnsinn. Ich spielte gerne mit Puppen, aber auch mit Autos. Ich spielte auch gerne Fußball mit den Jungs. Dort ging es ums Gewinnen. Es gab manchmal Streit und Machtkämpfe. Körperliche Stärke spielte eine große Rolle. Da ich eher zierlich war, wusste ich ganz genau, an welcher Stelle ich mich durchsetzen konnte und an welcher es schlauer war, sich zurückzuhalten.

In der Schule gab es einen intensiven kognitiven Wettbewerb mit den Jungs. Selbstverständlich ging es um die Frage: Wer ist schlauer? Man konnte viel voneinander lernen. Unterschiedliche Sichtweisen wurden zugelassen und wertgeschätzt. Sie wurden nicht unterdrückt, um den Gruppenfrieden zu bewahren. Kontroverse fachliche Diskussionen wurden zugelassen. Wer das Rennen in einem Fach oder Bereich machte, wurde respektiert. Stereotypisierte Reaktionen oder Diskriminierungen kannte ich nicht. Meine damaligen Lehrer:innen sind heute noch Rollenmodelle für mich.

In der 7. Klasse entwickelte ich eine Experimentierfreude, die ich jedoch für mich behielt. Schon in jungen Jahren war ich ein Beobachtertyp. Die Natur faszinierte mich. Im Chemieunterricht begeisterten mich die Reaktionen unterschiedlicher Stoffe. Also wollte ich zu Hause alles nachmachen. Ich baute mir ein kleines Labor auf dem Balkon im Elternhaus. Mein Vater besorgte mir die notwendigen Chemikalien. Es funktionierte perfekt, bis zu dem Tag, an dem eine explosive Reaktion die Fenster zerplatzen ließ.

Es ist wichtig, dass Kinder die Freiheit haben, unterschiedliche Erfahrungen zu machen –  selbst dann, wenn dadurch Konflikte oder  Fehler entstehen. Wir lernen aus Konflikten und aus den Fehlern, die wir machen. Dabei sind die Erfahrungen im sozialen Bereich extrem wichtig. Je mehr Erfahrungen wir in frühen Jahren ausgesetzt sind, desto schneller lernen wir, die unterschiedlichen Sichtweisen zu schätzen und ebenfalls davon zu lernen.

Durch diverse kognitive, kulturelle und soziale Erfahrungen erkennen wir, dass die Welt sehr bunt ist. Eltern und Bildungseinrichtungen sollten solche Erfahrungen ermöglichen und fördern. Unidimensionale Erfahrungen schränken unser Weltbild ein und machen uns bei jeder neuen Auseinandersetzung mit der Welt ängstlich. Ich hatte großes Glück, in einem Umfeld aufzuwachsen, wo unterschiedliche Sichtweisen zugelassen, geschätzt und genutzt wurden.

Schlusswort: Strebe nach dem glücklichen Erfolg

Damit Frauen und Männer gemeinsam die Welt neu gestalten können, ist es wichtig, dass Frauen sichtbar werden und Männer sie dabei unterstützen. Frauen müssen ihre Bedürfnisse und Vorstellung von der Welt laut und klar äußern.

Dabei ist es entscheidend, mit welcher mentalen Energie sich junge Frauen den Themen annehmen, die für sie wichtig sind. Es geht darum, den Status-Quo der Welt in Frage zu stellen, neue Sichtweisen zuzulassen und den Weg, den man für sinnvoll und nachhaltig ansieht, vertrauensvoll zu beschreiten.

Erfolg hat, wer glücklich ist. Wenn Frauen mit positiven Gefühlen ihre Umwelt betrachten, dann sehen sie eher die Möglichkeiten als die Schwierigkeiten. Es geht darum, herauszufinden, wie glücklicher Erfolg für Dich funktionieren kann.

Referenzen

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[2] https://www.allbright-stiftung.de/

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[15] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1099153/umfrage/frauenanteil-in-forschung-und-entwicklung-fue-in-der-eu/

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